Gesten, Karten, Tablet: Welche Formen von UK gibt es?
UK ist kein bestimmtes Hilfsmittel, sondern eine ganze Sammlung von Wegen. Für manche braucht man nur Hände und Gesicht. Für andere ein Blatt Papier. Für wieder andere ein Tablet mit einer App. Schauen wir uns an, welche Form was bedeutet – und wie Sie entscheiden, womit Ihre Familie anfängt.
Ohne Hilfsmittel: Gesten, Mimik, Blick
Fachleute sprechen von körpereigenen Kommunikationsformen. Ihr Kind kommuniziert mit dem Körper: Es zeigt mit dem Finger, nickt, führt Sie an der Hand, schaut auf das, was es möchte, macht Gesten. Diese Form hat es immer dabei – in der Badewanne, im Auto, nachts.
Es gibt auch Ansätze mit Gebärden. Bei der gebärdenunterstützten Kommunikation (GuK) begleitet man beim Sprechen die wichtigsten Wörter mit Gebärden. Makaton ist ein Kommunikationsprogramm, das Lautsprache, Gebärden und grafische Symbole verbindet. Die Gebärden werden zusammen mit der Lautsprache in der Reihenfolge der gesprochenen Wörter verwendet; Symbole können die Verständigung zusätzlich unterstützen. In der Familie können Sie sich auch auf ein paar einfache Gesten einigen – „mehr“, „fertig“, „trinken“. Wichtig ist, dass alle Erwachsenen sie gleich machen. Die Deutsche Gebärdensprache (DGS) ist etwas anderes: eine eigenständige, vollwertige Sprache – die Sprache der Gemeinschaft gehörloser Menschen.
Der Nachteil von Gesten: Nicht alle verstehen sie, und Ihr Kind braucht dafür recht genaue Handbewegungen.

Mit Hilfsmitteln: von der Bildkarte bis zum Tablet
Das nennt man hilfsmittelunterstützte Kommunikation. Hier gibt es zwei große Gruppen.
- Nicht-elektronische Kommunikationshilfen, ganz ohne Akku. Reale Gegenstände (ein Becher steht für „trinken“), Fotos, Bildkarten, Kommunikationstafeln, Symbolbücher. Sie sind meist günstig, brauchen keinen Akku und können – je nach Material und Ausführung – an vielen Orten eingesetzt werden.
- Elektronische Kommunikationshilfen. Smartphone, Tablet oder ein spezielles Gerät mit UK-Software. Ihr Kind berührt ein Bild – und das Gerät spricht das Wort aus. Darauf passen viele Wörter, und die Stimme ist auch am anderen Ende des Raums zu hören.
Eine einfache Tafel reicht, um schon heute anzufangen. Wie Sie sie machen, lesen Sie im Beitrag „Die erste Kommunikationstafel an einem Abend“.
Was PECS ist
PECS (englisch Picture Exchange Communication System, etwa „Kommunikation durch Bildaustausch“) ist eine bestimmte Methode. Entwickelt haben sie Andy Bondy und Lori Frost im Jahr 1985. Sie hat sechs Phasen: Das Kind lernt, einem Erwachsenen eine Bildkarte zu geben, um etwas zu bekommen, dann zwischen Karten zu unterscheiden, Sätze zu bilden, auf Fragen zu antworten und zu kommentieren.
Im Alltag werden oft alle Bildkarten „PECS“ genannt. Aber Karten sind ein Hilfsmittel, PECS dagegen ist eine eigene Lehrmethode mit eigenen Regeln. Wenn Sie sich genau für diese Methode interessieren, besprechen Sie sie mit einer Fachperson, die damit arbeitet.

Keine Stufenleiter, sondern ein Werkzeugkasten
Oft heißt es, man müsse der Reihe nach vorgehen: erst Gegenstände, dann Fotos, dann Symbole und das Tablet „irgendwann später“. Doch die UK-Forscherinnen Romski und Sevcik nennen eine solche feste Reihenfolge einen Mythos. Die meisten Familien kombinieren: Gesten beim Spielen, eine Kommunikationstafel aus Papier im Badezimmer und beim Spaziergang, das Tablet zu Hause und in der Therapie.
Wie Sie entscheiden, womit Sie anfangen
- Schauen Sie, was Ihr Kind schon jetzt tut. Zeigt es mit dem Finger? Führt es Sie an der Hand? Bringt es Ihnen Dinge? Fangen Sie bei dem an, was schon funktioniert, und bauen Sie darauf auf.
- Überlegen Sie, wo Ihr Kind am meisten zu sagen hat. Fürs Baden und für Spaziergänge eignet sich eine laminierte Tafel, fürs Spielen am Tisch passen Tafel und Tablet.
- Achten Sie auf die Hände. Wenn es Ihrem Kind schwerfällt, ein kleines Bild genau zu berühren, lohnt es sich, über andere Wege der Auswahl nachzudenken. Mehr dazu im Beitrag „Wie ein Kind ein Bild auswählt“.
- Fangen Sie einfach an. Zum Ausprobieren reicht eine Tafel aus Papier oder eine kostenlose App. Ein spezielles Gerät wählen Sie am besten gemeinsam mit einer Fachperson aus.
Häufige Fragen
Was ist besser: Karten oder Tablet?
Das eine „Bessere“ gibt es nicht. Papier hat keinen Akku, der leer werden kann, und eine laminierte Tafel verträgt Wasser. Ein Tablet spricht laut und fasst mehr Wörter. Viele Familien haben beides.
Kann man Gesten und Karten kombinieren?
Ja. Ihr Kind nimmt, was gerade am einfachsten ist. Wichtig ist nur, dass die Erwachsenen auf jeden seiner Wege reagieren.
Muss man erst PECS machen, bevor man zum Tablet wechselt?
Eine vorgeschriebene Reihenfolge gibt es nicht. PECS ist eine von mehreren Methoden, kein Pflichteinstieg. Was zu Ihrem Kind passt, entscheiden Sie am besten gemeinsam mit einer Fachperson.
Mein Kind sagt schon ein paar Wörter. Wozu dann Gesten oder Karten?
Damit es mehr sagen kann, als seine Wörter erlauben. Sie ergänzen die Lautsprache, statt sie zu ersetzen. Warum das das Sprechen nicht bremst, lesen Sie im Beitrag „Hält UK mein Kind vom Sprechen ab?“.
Serie „UK: erste Schritte“ – Teil 3 von 8. Zurück: Hält UK mein Kind vom Sprechen ab? Weiter: Wie ein Kind ein Bild auswählt: Berührung, Taster, Blick. Alle Teile.
Wie EYA hilft
- Picture-card board — A grid of picture cards in folders; a tap speaks the card and adds it to a sentence the child can say or send.
- Print cards to PDF — Export chosen cards as printable sheets for device-free sessions.
- Works offline — The child's board is stored on the device and works with no network; changes sync on reconnect.
Quellen
- What is AAC? — Communication Matters (UK AAC charity)
- Augmentative and Alternative Communication — ASHA Practice Portal
- About AAC — ISAAC (International Society for Augmentative and Alternative Communication)
- What is PECS? — Pyramid Educational Consultants (Bondy & Frost, originators of PECS)
- What is Makaton? — The Makaton Charity
- Romski & Sevcik (2005). Augmentative communication and early intervention: myths and realities. Infants & Young Children 18(3):174–185
